Erfahrungsberichte

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Erfahrungsberichte
der Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Tom, 56 Jahre:
Meine Visionssuche liegt nun schon wieder ein halbes Jahr zurück, aber noch immer trage ich meine orangefarbene «Notfallpfeife» um den Hals.

Die Auszeit in der Abgeschiedenheit der Bergeller Berge trage ich als unvergessliche Erfahrung in mir.

Es ging hoch auf über 2000 Höhenmeter. Die mit dem Aufstieg verbundenen körperlichen Anstrengungen haben mir viel abverlangt und mich an meine Grenzen geführt.

Kurz gesagt, die Vorstellung meiner selbst und die Realität waren nicht mehr im Einklang. Meine energiegeladene Jugendlichkeit ist Vergangenheit, ich bin nun ein reifer Mensch mit all den Vor- und Nachteilen, die damit einhergehen.

Das Alter steht vor meiner Tür – und das ist gut so! Die Zeit der Einkehr verging wie im Flug und das Fasten führte mich in eine Art Wach- Traumzustand, in dem sich wie von selbst mein Leben vor meinem inneren Auge aufblätterte.

Ich erlebte eine tiefe Verbindung zur Natur und wurde von ihr gehalten. Selten fühlte ich mich verbundener und aufgehobener wie in diesen Bergen auf 2000 Meter, inmitten der Naturgewalten aus Sonne, Regen, Gewitter und Kälte.

Eine tiefe Akzeptanz meines «so bin ich», «so ist es» und so etwas wie eine gelassene Zuversicht hat sich in mir ausgebreitet.

Reich beschenkt fühle ich mich und zutiefst berührt von etwas, für das ich keinen Namen habe.

Danken möchte ich auch Annett und Jakob, die mit ihrer wohlwollenden und herzoffenen Art ein tragfähiges Feld für uns aufgebaut hatten, indem ich mich aufgehoben und unterstützt gefühlt habe. Der Aufwand, den ihr da betrieben habt mit all dem Rauf- und Runtertragen von Lebensmitteln, Trinkwasser und Ausrüstung war der Wahnsinn. Viva!

Helena, 60 Jahre:
Ich würdige mein Leben. Ich gehe barfuss, aufrecht und wahr.

Als ich meinen Freunden davon erzählte, dass ich mich auf eine Visionssuche begebe, waren sie erstaunt und fragten, ob ich nicht bereits meine Vision lebe. Doch, ich lebe meine Vision und zugleich bin ich in einem stetigen Veränderungsprozess. Speziell in meinem 60sten Lebensjahr, im Übergang vom Älterwerden zum Altsein, stellte sich die Frage, was es loszulassen und abzuschliessen gilt, und was mich noch ruft, in intensiver Form.

Diese Naturzeremonie mit einer kleinen Gruppe teilen zu dürfen und dabei von Annett und Jakob, den VisionssucheleiterInnen, begleitet zu werden, die zugleich als Sterbebegleiter und Geburtshelfer fungierten und für die äussere Sicherheit sorgten, hatte eine starke und nachhaltige Wirkung in mir.

Neben der Rekapitulation meines Lebens, hatte ich mir auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem Sterben vorgenommen. Dazu hatte mich das Buch «Das Lied der Dunklen Göttin» von Scott Eberle inspiriert, welches mir Annett ans Herz gelegt hatte. Er schreibt: «In der Todeshütte vollzieht sich eine wichtige Veränderung in der Einstellung des Tänzers. Es gibt keine Zeit mehr dafür, sich unbestimmten und unrealistischen Fantasien zu widmen. Jetzt, wo dem Tänzer nur noch so wenig Zeit bleibt, sieht er deutlich, was real ist und was nicht».

Am dritten Tag der Auszeit gibt es die Möglichkeit das sogenannte Ritual der «Todeshütte» zu vollziehen. Für dieses Ritual habe ich mir einen speziellen Platz gesucht und mich mit der ganzen Wahrnehmung, körperlich-sinnlich, gefühlsmässig und gedanklich an die Stelle meines Abschieds vom Leben versetzt, um dort meine Beziehungen zu mir nahestehenden Menschen zu klären, ganz so, als würde ich bald sterben. Es ging nicht so sehr darum auszuwählen, von wem ich mich verabschieden möchte, sondern darum zu warten was geschieht, wer vorbeikommt, mit wem es noch etwas anzuschauen, zu klären, zu befrieden oder auszutauschen gibt. Die Begegnungen waren überraschend und voller Intensität, die das Erleben in meiner gewöhnlichen Realität überstrahlten. Dieser Austausch war tief berührend, wahr und erfüllend. Ich hatte mit einer langen Auseinandersetzung mit meinen Versäumnissen, meinen Verfehlungen und Schuldgefühlen gerechnet. Tatsächlich habe ich viel Bekräftigung für das Vertrauen ins Leben und Lebendige erhalten, was den Vorgang beinhaltet, in das hinein zu sterben was so ist wie es eben ist.

Der Vor- und Nachbereitungsprozess in der Gruppe hatte von Anfang an eine besondere Tiefe und Ehrlichkeit. Angesichts des Loslassens oder Sterbens, dass jeder auf seine Weise erlebt und erfahren hat, gab es nichts anderes, als dieses schonungslose Offenbaren des Wunden und Wunderbaren in uns.

Auch Monate nach der Erfahrung sind die Erlebnisse ganz lebendig in mir. Ich habe die Tür hinter mir schliessen können, die mit einer tiefen Verunsicherung aus der Wahrnehmung von getrennt und nicht gut genug sein herrührte. Nicht, dass ihr mich falsch versteht, ich durchlaufe nach wie vor auch Täler, und doch habe ich dort, im Alleinsein mit mir und den Bergen, etwas ganz Wesentliches für mich entdeckt.

Ich würdige mein Leben. Ich gehe barfuss, aufrecht und wahr!

Arno, 35 Jahre:
Der Arnoweg! Mein Weg ist der Weg! Ich bin ein Glückskind!

Visionssuche, was ist das? Ein Freund hatte mir von seinem Vision Quest berichtet. 4 Tage und 4 Nächte alleine in der Natur! Das hat mich unmittelbar gepackt, das gefiel mir! Eine wunderbare Gelegenheit, um meine zurückliegende Lebensphase zu rekapitulieren.

Ein turbulentes, interessantes und bewegtes Leben lag hinter mir. Ich wollte jedoch zur Ruhe mit etwas kommen und in der Tiefe verstehen und verarbeiten, was ich bisher erlebt hatte. Ich wollte mit etwas abschliessen, um im neuen Lebensabschnitt nicht erneut in meine Gedanken- und Emotionsschleifen zu rutschen. Ich wollte mein Innerstes ergründen, ohne Ablenkung von aussen. Ich wollte mein Vertrauen und meine Hingabe wiederfinden.

… Und wieder einmal hat sich bestätigt … ich kann mich auf meine Intuition verlassen. Meine Zeit in der Wildnis der Berge war bezaubernd – dieser Baum, dieser Stein, diese Blume, mein ach so herrliches Bad im Pool unter dem Wasserfall im Kastanienwald, so viele Details in der vibrierenden Schönheit der Natur. Meine Einkehr war zum Teil wie eine Pilgerreise, sie war leicht und gleichzeitig tief.

So konnte ich zum Beispiel noch einmal in meine Kindheit eintauchen, mich mit der fehlenden Liebe meines Vaters auseinandersetzen und mir die Konsequenzen, die sich daraus entwickelt haben, in Ruhe betrachten. Einiges stand plötzlich, wie durch eine Lupe betrachtet, deutlich und klar vor mir. «Ich werde mich nicht mehr von meiner Aussenwelt beherrschen und beeinflussen lassen».

Ich fand ein Stück Holz und sah sofort einen Adler (Arno bedeutet «der mit der Stärke eines Adlers») und eine Schlange vor meinem inneren Auge. Ich wollte mit diesem Holz arbeiten und begann zu schnitzen. Das Schnitzen erlebte ich wie eine Meditation. Themen kamen und gingen wieder, Fragen lösten sich wie von alleine, ohne dass ich darüber nachdenken musste. Ich war vollkommen mit dem Schöpfer verbunden. Ich erlebte Wildheit und Freiheit, und mein Stock begleitet mich die gesamte Zeit über, er wurde zu meinem Begleiter und zu einem Symbol meiner Kraft.

Auf dieser meiner «Pilgerreise» wurde mir bewusst: «Mein Weg ist der Weg!» «Mein Weg ist der Arnoweg!» Mir ist bewusst, meinen Weg werden auch Stolpersteine säumen und meine innere Unabhängigkeit wird Prüfungen unterzogen werden. Aber ich spüre deutlich in mir, ich bin bereit. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ich bin ein Glückskind!

JaKob:
Der Sommer war weit und wild, kraftvoll und zärtlich, so voll und gleichzeitig so leer.

6 Uhr am Morgen, Windböen treiben das rabenschwarze Wetter aus Westen heran. Donnergrollen begleitet diesen düsteren Morgen … Weltuntergangsstimmung.

Die Wettervorhersage ist niederschmetternd. Dauerregen, Gewitter und Wind den gesamten Tag über. Bald schon werden Helena, Ronja, Tom und Arno von ihrer Auszeit aus über 2000 Metern Höhe zurückkehren. 4 Tage und 4 Nächte haben sie an ihren jeweiligen Plätzen gefastet und zudem in der gestrigen Nacht nicht geschlafen, um sich noch einmal mit ihrer Intuition, ihrem tiefsten Wesen und einer erneuerten inneren Ausrichtung zu verbinden.

Ein zweistündiger Abstieg liegt  vor uns. Wir beschliessen, die grossen Rucksäcke im Zelt zu lassen und nur mit den Tagesrucksäcken abzusteigen. Zuerst einmal ausruhen und schlafen, um dann morgen noch einmal aufzusteigen und alles abzuholen. Doch siehe da, urplötzlich beginnt sich das Wetter zu drehen. Der Himmel bricht auf und wir können bei strahlendem Sonnenschein hinunter ins Tal nach Soglio wandern. Ein weiterer WunderVoller Tag beginnt!
 
Wir haben unsere Leidenschaft, unser Herzblut und eine grosse (Vor)Freude in unsere Bergeller Visionssuche und den dort gebildeten Kreis eingebracht. Reich beschenkt wurden wir dafür. Von Anfang an fühlten wir uns beschützt und geleitet. Tief berührt waren wir. Aufgehoben und geliebt haben wir uns gefühlt … vom Grossen Geist!

Der Sommer war grossartig, weit und wild, kraftvoll und zärtlich, so voll und gleichzeitig so leer.

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